Fachwissen für LeiterInnen

Ganzheitliche Programmgestaltung

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Geändert: 29. April 2021, 14:49   Nutzer/in: Brigitte Stockinger-Hofer  → Nutzerbild von Brigitte Stockinger-Hofer

Die ganzheitliche Programmgestaltung ist Voraussetzung für erfolgreiches pädagogisches Arbeiten. Bei den Pfadfindern und Pfadfinderinnen stehen dir verschiedene Methoden und Tools zur Verfügung anhand derer du sicherstellen kannst, dass das von dir angebotene Programm ausgewogen geplant und durchgeführt wird. Ein Prinzip nach dem bei den Pfadfinder*innen gearbeitet wird, ist das Prinzip der Ganzheitlichkeit. Deine Verantwortung als Leiter oder Leiterin ist es, dir im Vorfeld ein Bild davon zu machen wo deine Kinder und Jugendlichen geradestehen und dir anschließend zu überlegen welche Inhalte vermittelt werden sollen. Dabei soll im Laufe des Jahres ein ganzheitliches Programm angeboten werden.

Das Prinzip der Ganzheitlichkeit

Beim Prinzip der Ganzheitlichkeit wird von drei grundlegenden Aspekten gesprochen mit denen du als Leiter*in arbeiten kannst. 

  • Der erste Aspekt sind die 8 Schwerpunkte, die thematisch acht Verschiedene Inhalte vorgeben zu und mit denen du arbeiten kannst. 
  • Der zweite Aspekt ist Herz Hirn und Hand (HHH). Hier liegt der Fokus auf den Sinnen und dem Verstand. HHH kannst du einsetzen um sicher zu stellen, dass im Laufe des Programmes etwas zum handwerklichem tun, etwas zum Denken und etwas Emotionales vorhanden ist. 
  • Der dritte Aspekt ist die Förderung der ganzheitlichen Entwicklung in allen Dimensionen der Persönlichkeit eines Menschen. Das heißt, dass sich der Charakter der Kinder und Jugendlichen im vollen physischen, intellektuellen, emotionalen, sozialen und spirituellen Potenzial entfalten kann.

Die 8 Schwerpunkte

Die acht Schwerpunkte bilden unsere Themen ganzheitlich ab und sind ein Werkzeug, um eine ausgewogene Programmgestaltung zu gewährleisten. Sie entsprechen den Gesetzespunkten. Dadurch ermöglicht ihre Umsetzung ein besseres Verstehen und Erleben von Gesetz und Versprechen. Für die einzelnen Altersstufen bedeutet das im Weiteren eine altersentsprechende Interpretation und entwicklungsgemäße Förderung in diesen Schwerpunkten. Unsere Aufgabe als Leiter*innen ist es, mit und für die Kinder und Jugendlichen Angebote zu schaffen, die - übers gesamte Pfadfinderjahr gesehen - alle 8 Schwerpunkte beinhaltet. Natürlich solltest du auch hier die Kinder und Jugendlichen nach ihren Wünschen und Erwartungen fragen und diese ausgewogen mit den 8 Schwerpunkten kombinieren. 

Herz Hirn Hand

Menschen lernen unterschiedlich und deswegen ist es vor allem im Programm mit und für die Kinder und Jugendlichen wichtig, dass du Methoden ausgewogen einsetzt, die sowohl das Tun, die Emotion als auch das Denken ansprechen. Ganz im Sinne des "Learning by Doing" ist es wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen "selbst tun". Es bringt nichts theoretisch vom Zeltaufbau zu erzählen, wenn die Kinder und Jugendlichen nicht die Möglichkeit haben, selbst beim Aufbau eines Zeltes mitzuwirken. Auch ein Weberknoten ist schneller gelernt, wenn du ihnen ein Seil zum Üben in die Hand gibst. Andererseits hilft ihnen das Seil alleine auch nichts, wenn du ihnen nicht erklärst, wie sie aus dem Seil einen richtigen Weberknoten machen können. Es geht im Grund um die richtige Mischung - also Wissen (kurzweilig) vermitteln, selbst tun lassen und dann natürlich das Ergebnis entsprechend "feiern", zum Beispiel, indem jede Kleingruppe eine eigene Knotentafel im Heim aufhängt und alle dieses Ergebnis bestaunen können. 

Dimensionen der Persönlichkeit

Jeder Mensch entwickelt sich in allen seinen Dimensionen, also physisch, intellektuell, emotional, sozial und spirituell. Unsere Aufgabe als LeiterInnen ist es, diesen Entwicklungen Raum zu geben und die einzelnen Kinder und Jugendlichen bestmöglich zu unterstützen. Es geht hier vor allem darum, dass jeder und jede sich "so gut er/sie kann" ausprobiert und damit seine/ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln kann. Wichtig ist, dass die Kinder und Jugendlichen motiviert und mit Spaß bei der Sache sind. Es geht nicht darum, dass alle alles gleich gut können oder gleich schnell lernen müssen! 

Auch wir Erwachsenen entwickeln uns in allen Dimensionen weiter und können das eine besser als das andere. Oft wollen wir das eine lieber machen als das andere, oder? Trotzdem sollten wir die Kinder und Jugendlichen mit dem Programm in allen Dimensionen ansprechen versuchen. 

 

Ganzheitliches Planen übers Jahr

Mit Hilfe einer Jahresplanung kannst du dieses Prinzip der Ganzheitlichkeit "sicher stellen". Natürlich ist es auch hier wichtig, dass du die Kinder und Jugendlichen nach ihren Wünschen und Erwartungen befragst und diese dann auch in die Jahresplanung einbaust. Die Aufteilung der Schwerpunkte in der Jahresplanung ist schon mal ein guter Beginn. Wenn du dir dann in der konkreten Planung auch noch bewusstmachst, dass du Methoden fürs Hirn, fürs Herz und für die Hand einsetzt, erreichst du eine Vielfalt im Programm. Ein konkreter Blick auf die Kinder und Jugendlichen und darauf, welche Entwicklungsaufgaben gerade Thema sind, runden dein perfektes, ganzheitliches Programm ab. Mit Hilfe eines Planungsrasters, welcher all diese Aspekte beinhaltet, können wir eventuell leichter den Überblick bekommen.

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