Fachwissen für LeiterInnen

Learning by Doing

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Geändert: 29. September 2018, 22:07   Nutzer: Gerald Stockinger  → Nutzerbild Gerald Stockinger

Learning by Doing

"Learning by Doing" hat zentrale Bedeutung für die Art, wie wir mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Es ist nicht nur eine gezielt einsetzbare Methode, sondern auch das Grundverständnis, wie wir Kindern und Jugendlichen Lernen ermöglichen wollen. Learning by Doing ist Bestandteil vieler Methoden unserer Altersstufen und überall in der Umsetzung unseres Programms zu sehen und zu spüren.

Pädagogischer Hintergrund - Was steckt dahinter?

Für das Konzept "Learning by Doing" gibt es viele Bezeichnungen, die im Wesentlichen dasselbe meinen: Lernen in der Praxis, "Learning on the Job", Lernen durch Ausprobieren und Experimentieren. Es baut auf die Neugierde der Kinder und Jugendlichen, und wird gefördert durch Action, Abenteuer und persönliche Herausforderungen. Die dazu nötigen Lernfelder - der Raum und die Methoden, um zu lernen - ergeben sich wie von selbst in unserem vielfältigen und ganzheitlichen Programmangebot.

"Learning by Doing" gehört zu den natürlichsten Lernformen - es gibt dem eigenen Tun Bedeutung und motiviert damit "von innen" heraus. Auch wenn es einmal schwierig wird, am Ende winkt die Belohnung durch das selbst Erreichte und das gute Gefühl, etwas geschafft zu haben. Das festigt die erlernten Kompetenzen!

Was ist "Learning by Doing" überhaupt?

Die grundlegende Idee ist in allen Altersstufen gleich: Nicht langwierig erklären, sondern Kinder und Jugendliche sofort einbeziehen, ihnen etwas vorzeigen, Impulse setzen und sie für die Aufgabe motivieren. Dann "tun lassen" und unterstützen, wenn es nicht weitergeht. Dabei auch Fehler zulassen und als Chance sehen daraus zu lernen, basierend auf dem Prinzip "Versuch und Irrtum". Die Grenzen der Selbstständigkeit liegen nur dort, wo die Sicherheit gefährdet ist.

Es gilt, generell konstruktiv und partnerschaftlich zu unterstützen und Rückmeldung zu geben. Letztlich sollte sich immer der Erfolg einstellen! Und es gehört auch dazu, die eigenen Erfahrungen aus dem Lernprozess zu reflektieren: Entweder alleine, in der Kleingruppe oder mit den LeiterInnen.

E-Kette der Erlebnispädagogik

Die Eindrücke aus dem erlebten Programm laufend zu verarbeiten und daraus zu lernen, ist eine große Herausforderung für die Kinder und Jugendlichen. Das obige Bild der E-Kette veranschaulicht den Prozess, wie aus Eindrücken und Erlebnissen, Erfahrungen und schließlich Erkenntnisse werden. Denn nicht aus allen Eindrücken werden automatisch Erkenntnisse! Der Lernerfolg ist größer, wenn sie reflektiert, besprochen und mit bestehendem Wissen abgeglichen werden. So können Erlebnisse geistig und emotional verarbeitet und wichtige Schlussfolgerungen gezogen werden. Diese ermöglichen später in ähnlichen Situationen auf das Erlernte zurück zu greifen.

Teilweise reflektieren die Kinder und Jugendlichen dabei ihre Erlebnisse im sozialen Lernfeld ganz von selbst. Manchmal können auch aktive Zuhörer oder "Experten" helfen, aus den Erfahrungen die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wichtig: Auch Reflexion braucht Übung! Daher ist es notwendig, dass du Kinder und Jugendliche bei der Reflexion begleitest. Durch dein Mitwirken kannst du zum Transfer des Gelernten wesentlich beitragen. Je gewichtiger die Erlebnisse, desto wesentlicher ist ein gute Nachbearbeitung!

Learning by Doing ist ein ergebnisoffener Prozess. Es ist gut, dir als LeiterIn ein Ziel zu setzen, das die Kinder und Jugendlichen erleben und erfahren sollen. Offen ist jedoch, was sie tatsächlich daraus lernen werden! Es völlig normal, dass jedes Kind und jede/r Jugendliche am Ende des Lernprozesses unterschiedliche Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Lernsituation mitgenommen hat.

Zusammenhang mit anderen Methoden

"Learning by Doing" als eines der sieben Elemente der PfadfinderInnenmethode ist mit allen anderen Elementen vernetzt und hat beispielsweise zentrale Bedeutung für die "Persönliche Weiterentwicklung" der Kinder und Jugendlichen. Unser "Teamsystem" bietet den nötigen Rahmen in der Kleingruppe. Die "Unterstützung durch Erwachsene" ist situativ angepasst extrem wichtig und der "Lebensraum Natur" schafft ein ideales Umfeld.

Erfolgsfaktoren

  • Schaffe Freiräume, in denen sich Einzelne und Kleingruppen erproben können.
  • Gib keine "Anweisungen", sondern vermittle Ziele, wie das Ergebnis ausschauen soll.
  • Verpacke Lernen spielerisch! Das bietet Spaß beim Lernen in geschütztem Rahmen - sei es in der persönlichen Herausforderung oder im wechselseitigen Wettbewerb.
  • Ermutige Kinder und Jugendliche, das eigene Wissen anderen weiterzugeben und anderen zu helfen.
  • Nutze die Lernumgebung Natur.
  • Plane genügend Zeit für Reflexion und Nachbesprechung der Erlebnisse und Erfahrungen ein, damit Lernen passieren kann.
  • Motiviere und bestärke die Kinder und Jugendlichen, und feiert gemeinsam Erfolge!

Zusammenfassend: Zeige den Kindern und Jugendlichen immer wieder neue Lernfelder und Entwicklungsmöglichkeiten auf, und vertraue ihnen, dass sie selbst das Beste daraus machen.

Quellen

  • WOSM: Scouting: An educational system, World Scout Bureau, 1998
  • Werner Michl: Erlebnispädagogik, UTB Verlag, Stuttgart, 2009

Weiterführendes